In einer aktuellen Forschungsarbeit hat die Sozialwissenschaftlerin Heike Menzel-Kötz mit verurteilten Straftätern gesprochen, um die Strategien zu analysieren, mit denen Frauen in die Prostitution gedrängt werden. Ihre Ergebnisse, die sie beim Freiheits-Kongress in Schwäbisch-Gmünd vorstellte, zeigen ein erschreckendes Bild: Die Täter bauen systematisch Nähe und Bindung auf, um später emotionale Gewalt auszuüben und die Frauen zu kontrollieren. „Sie war freiwillig bei mir“ – dieser Satz, so Menzel-Kötz, sei typisch für Täter, die das System der Ausbeutung nicht verstehen oder verstehen wollen.
Die Bibel spricht deutlich gegen jede Form der Unterdrückung und Ausbeutung. In Jesaja 58,6 heißt es: „Das ist aber ein Fasten, das ich erwähle: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast!“ (Luther 2017). Gott fordert Gerechtigkeit und Befreiung für die Unterdrückten – ein klarer Auftrag für die christliche Gemeinde.
Die Rolle der Wirtschaft und der Gesellschaft
Menzel-Kötz betont, dass nicht nur die direkten Täter, sondern auch Autohändler, Makler und Handy-Läden von der Ausbeutung profitieren. Die Frauen erwirtschaften Geld, aber Verträge und Schulden bleiben an ihnen hängen. Geld dient als Machtmittel, und die Verantwortung wird auf die Frauen abgeschoben. Diese Strukturen sind tief in unserer Gesellschaft verankert und erfordern ein Umdenken.
Als Christen sind wir aufgerufen, uns für die Schwachen einzusetzen. Sprüche 31,8-9 ermutigt: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind. Tu deinen Mund auf und richte in Gerechtigkeit und schaffe Recht dem Elenden und Armen!“ (Luther 2017). Die Kirche kann hier eine prophetische Stimme sein und auf Ungerechtigkeiten hinweisen.
Prävention und politische Verantwortung
Die Forscherin fordert, stärker auf die Muster der Gewalt zu achten, nicht nur auf einzelne Gewalthandlungen. Prävention müsse an diesem Punkt ansetzen. Auch die Politik ist gefragt: Es braucht Gesetze, die die Täter zur Rechenschaft ziehen und die Opfer schützen. In Frankreich hat ein gesellschaftlicher Wandel stattgefunden, der die Prostitution als Ausbeutungssystem entlarvt. Deutschland könnte hier nachziehen.
Die christliche Gemeinde kann durch Seelsorge und praktische Hilfe einen wichtigen Beitrag leisten. Die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin (Johannes 8,1-11) zeigt, dass Verurteilung nicht der Weg ist, sondern Barmherzigkeit und die Aufforderung, ein neues Leben zu beginnen. Gleichzeitig dürfen wir die strukturelle Sünde nicht ignorieren.
Was können wir tun? Praktische Schritte für die Gemeinde
Als Einzelne und als Gemeinde können wir:
- Informieren: Machen Sie sich und andere über die Mechanismen der Ausbeutung bewusst.
- Unterstützen: Spenden Sie an Organisationen, die Frauen in der Prostitution Hilfe anbieten, wie z.B. „Solwodi“ oder „FIM – Frauenrecht ist Menschenrecht“.
- Seelsorge: Bieten Sie einen geschützten Raum für betroffene Frauen, in dem sie ohne Verurteilung gehört werden.
- Politisch engagieren: Setzen Sie sich für strengere Gesetze gegen Menschenhandel und für die Bestrafung der Freier ein.
Die Bibel ruft uns in Micha 6,8 zu: „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert: nichts als Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“ (Luther 2017). Diese Liebe muss sich auch in konkretem Handeln für die Ausgebeuteten zeigen.
Fragen zur Reflexion: Wie kann Ihre Gemeinde ein sicherer Ort für Frauen in Not werden? Welche Schritte können Sie persönlich gehen, um gegen Ausbeutung einzutreten? Lassen Sie uns nicht schweigen, sondern die Stimme für die erheben, die keine Stimme haben.
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