Der Generalabt der Prämonstratenser, Jos Wouters, hat in einem Interview mit dem niederländischen Medium Nederlands Dagblad eine ernüchternde Prognose für die Zukunft der europäischen Abteien seines Ordens abgegeben. Viele dieser traditionsreichen Gemeinschaften, darunter auch die bekannte Abtei Berne in den Niederlanden, stünden vor dem Verschwinden. Diese Entwicklung sei auf mehrere Faktoren zurückzuführen, die den Orden insgesamt betreffen.
Wouters, der seit 2018 als Generalabt für 38 Abteien weltweit verantwortlich ist, beobachtet einen deutlichen Rückgang an neuen Mitgliedern. Die wenigen Interessenten, die sich noch für das Klosterleben entscheiden, seien häufig psychisch belastet. Aus einem Überlebensreflex heraus nähmen manche Klöster diese Menschen auf, obwohl sie für das Leben in der Gemeinschaft oft nicht geeignet seien. Dies führe zu Spannungen und Konflikten innerhalb der Kommunitäten.
Die Rolle der Kirche in der Gesellschaft
Ein weiteres Problem sieht der Generalabt in der zunehmenden Randständigkeit der Kirche. „Die Kirche ist in der Gesellschaft zu einem Randphänomen geworden“, so Wouters. „Und sie zieht Menschen aus Randgruppen an.“ Diese Entwicklung habe tiefgreifende Auswirkungen auf das geistliche Leben und die Stabilität der Klöster. Die Bibel mahnt uns jedoch, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist (2. Korinther 12,9). Dennoch bleibt die Frage, wie Orden und Gemeinden auf diese Herausforderung reagieren können.
Konflikte und fehlende Aufsicht
Die Recherchen des Nederlands Dagblad zur Abtei Berne, der ältesten noch bestehenden Klostergemeinschaft der Niederlande, offenbarten eine jahrelange Kultur der Angst und Machtkämpfe. Wouters bestätigte diese Zustände und wies auf grundlegende Probleme im gesamten Orden hin. Streitigkeiten über religiöse und liturgische Ansichten würden oft unerbittlich geführt und vergifteten die Atmosphäre. „Die Menschen innerhalb einer Gemeinschaft werden dann zu Feinden, und es kann kaum noch ein gewöhnlicher, normaler, freundschaftlicher, kameradschaftlicher, brüderlicher Kontakt stattfinden“, beklagte der Generalabt.
Als Generalabt stoße er an Grenzen, da die einzelnen Abteien autonom seien und er nicht direkt eingreifen könne. Ergebnisse von Visitationen würden häufig ignoriert. Daher fordert Wouters für das nächste Generalkapitel des Ordens im Jahr 2030 eine Neuregelung der Autonomie sowie die Einführung von Mindestgrößen für Klostergemeinschaften und eine externe Begleitung und Aufsicht. Diese Maßnahmen könnten helfen, die geistliche und menschliche Gesundheit der Kommunitäten zu stärken.
Biblische Perspektive auf Gemeinschaft und Leitung
Die Herausforderungen der Prämonstratenser sind nicht neu. Bereits in der frühen Kirche gab es Spannungen und Konflikte, wie die Apostelgeschichte berichtet. In Apostelgeschichte 6,1–7 wird geschildert, wie die Apostel Diakone einsetzten, um für eine gerechte Verteilung zu sorgen und Streitigkeiten zu schlichten. Dies zeigt, wie wichtig transparente Strukturen und gute Leitung sind. Auch der Hebräerbrief ermutigt: „Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen“ (Hebräer 13,17). Diese Prinzipien sind auch heute für Ordensgemeinschaften relevant.
Hoffnung und praktische Schritte
Trotz der düsteren Prognose gibt es auch Zeichen der Hoffnung. Der Prämonstratenserorden wurde im 12. Jahrhundert von Norbert von Xanten gegründet und hat eine reiche Geschichte der Erneuerung. Weltweit gehören dem Orden rund 1.600 Mitglieder in 81 Niederlassungen an, darunter drei Abteien und zwei Priorate in Deutschland. Die geplanten Reformen könnten dem Orden helfen, sich auf seine geistlichen Wurzeln zu besinnen und neue Wege zu gehen.
Für die Leser von EncuentraIglesias.com stellt sich die Frage: Wie können wir als Christen unsere Gemeinden stärken und Konflikte überwinden? Die Bibel ruft uns zur Einheit und Demut auf: „Seid vielmehr untereinander freundlich, herzlich und vergebt einer dem anderen“ (Epheser 4,32). Lassen Sie uns diese Worte in unseren Gemeinschaften leben und für die Einheit des Leibes Christi beten.
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