Neue Wege der Barmherzigkeit: Schweizer Ordensschwestern verkaufen Krankenhaus

Quelle: EncuentraIglesias Editorial

Im Sommer des Jahres 2025 vollzog sich in Basel ein bedeutsamer Wandel, der weit über die Schweizer Grenzen hinaus Aufmerksamkeit erregte. Die Ingenbohler Schwestern vom Heiligen Kreuz, eine traditionsreiche Ordensgemeinschaft, übergaben das von ihnen geführte Claraspital an das Universitätsspital Basel. Dieser Schritt markiert das Ende einer fast hundertjährigen Ära kirchlicher Krankenhausträgerschaft und wirft zugleich grundsätzliche Fragen nach der Zukunft caritativen Engagements in einer sich wandelnden Gesellschaft auf.

Neue Wege der Barmherzigkeit: Schweizer Ordensschwestern verkaufen Krankenhaus

Die Entscheidung fiel den Ordensfrauen nicht leicht, wie Schwester Tobia Rüttimann, Provinzoberin der Schweizer Provinz, in einer öffentlichen Stellungnahme betonte. „Wir stehen vor der Herausforderung, unser Erbe der Barmherzigkeit in neuen Formen weiterzutragen“, erklärte sie. Die demografische Entwicklung innerhalb der Gemeinschaft machte diesen Schritt unumgänglich: Von etwa 270 Schwestern in der Schweiz sind über 230 älter als 80 Jahre, während nur noch 15 das siebzigste Lebensjahr nicht überschritten haben.

Diese Zahlen spiegeln eine Entwicklung wider, die viele christliche Gemeinschaften in Europa betrifft. Der Apostel Paulus erinnert uns im Brief an die Philipper: „Ich danke meinem Gott allezeit eures aller gedenkend in allen meinen Gebeten.“ (Philipper 1,3-4 LUT). Auch wenn sich äußere Strukturen wandeln, bleibt die geistliche Verbundenheit und das Gebetsanliegen für diejenigen, die jahrzehntelang im Dienst der Kranken standen, von zentraler Bedeutung.

Finanzielle Verantwortung und generationenübergreifende Solidarität

Der Verkauf des Claraspitals für etwa 530 Millionen Schweizer Franken dient vorrangig der Absicherung der Altersversorgung der älteren Ordensschwestern. Diese praktische Entscheidung wurzelt in einer tiefen theologischen Einsicht: Die Sorge für die Alten und Schwachen gehört zum Kern christlicher Ethik. Im ersten Timotheusbrief heißt es: „Wenn aber eine Witwe Kinder oder Enkel hat, so sollen diese zuerst lernen, ihre Verwandten zu ehren und den Eltern Gleiches zu vergelten; denn das ist wohlgefällig vor Gott.“ (1. Timotheus 5,4 ELB).

Die finanziellen Ressourcen der Gemeinschaft waren in den vergangenen Jahren zunehmend begrenzt. Bislang finanzierte sich das Institut Ingenbohl primär durch Minimalrenten und vereinzelte Vermietungen. Ein Teil der Einnahmen floss zudem an wirtschaftlich schwächere Provinzen des Ordens in Afrika, Asien und Südamerika – ein beeindruckendes Zeugnis globaler Solidarität innerhalb der katholischen Kirche.

Robert-Jan Bumbacher, Verwaltungsratspräsident des Universitätsspitals Basel, würdigte in seinen Äußerungen die übernommene Verantwortung: „Wir erhalten nicht nur ein hervorragend geführtes Krankenhaus, sondern auch das wertvolle Erbe einer caritativen Tradition, die wir in die Zukunft tragen werden.“ Diese Aussage unterstreicht, dass der Verkauf nicht das Ende einer Idee bedeutet, sondern deren Integration in neue Strukturen.

Die Integration der Mitarbeitenden

Besondere Aufmerksamkeit verdient der Prozess der Integration der etwa 1200 Mitarbeitenden des Claraspitals in das Universitätsspital Basel. Seit November 2025 gehört die Clara-Gruppe offiziell zum Universitätsspital, wobei die eigentliche Integration im Verlauf des Jahres 2026 erfolgte. Dieser behutsame Übergang gewährleistete Kontinuität in der Patientenversorgung und Respekt vor den gewachsenen Strukturen.

Die Bibel ermutigt uns, Veränderungen nicht als Bedrohung, sondern als Möglichkeit zu sehen: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5 LUT). Dieser Verheißung vertrauend können Christen auch strukturelle Veränderungen als Teil von Gottes fortwährendem Schöpfungswerk betrachten.

Spirituelle Perspektiven auf strukturellen Wandel

Der Verkauf des letzten großen Krankenhauses der Ingenbohler Schwestern markiert nicht nur einen wirtschaftlichen, sondern vor allem einen spirituellen Übergang. Die Ordensgemeinschaft steht vor der Aufgabe, ihre ursprüngliche Berufung zur Barmherzigkeit in veränderten Formen zu leben. Dabei kann sie sich an biblischen Vorbildern orientieren, die zeigen, wie Glaube sich immer wieder neuen Gegebenheiten anpasst, ohne sein Wesen zu verlieren.

Jesus selbst gab seinen Jüngern den Auftrag: „Geht hin und heilt die Kranken“ (Lukas 10,9 ELB). Dieser Auftrag bleibt bestehen, auch wenn sich die konkreten Formen seiner Erfüllung wandeln. Die Ordensschwestern haben über Generationen hinweg diesen Dienst beispielhaft gelebt – nun geht diese spezifische Verantwortung an andere Hände über, während die geistliche Dimension ihrer Berufung fortbesteht.

Der Prophet Jesaja erinnert uns: „Gedenkt nicht an das Frühere, und auf das Vergangene gebt nicht acht! Siehe, ich wirke Neues; jetzt sprosst es schon, merkt ihr es nicht?“ (Jesaja 43,18-19 LUT). Diese Worte können den Schwestern und allen, die diesen Wandel begleiten, Trost und Orientierung bieten.

Praktische Anwendung und persönliche Reflexion

Die Geschichte der Ingenbohler Schwestern lädt uns ein, über den Wandel christlicher Institutionen in unserer Zeit nachzudenken. Viele Gemeinden und Werke stehen vor ähnlichen Herausforderungen: Wie können wir traditionelle Formen des Dienstes bewahren, während wir gleichzeitig auf veränderte gesellschaftliche Realitäten reagieren?

Für persönliche Reflexion bieten sich folgende Fragen an: Welche Formen des Dienstes in meiner eigenen Gemeinde oder Gemeinschaft könnten einer Erneuerung bedürfen? Wie können wir die Weisheit und Erfahrung älterer Gläubigen wertschätzen, während wir gleichzeitig Raum für neue Generationen schaffen? Und vor allem: Wie bleibt Christus im Mittelpunkt aller unserer strukturellen Überlegungen?

Abschließend sei an die Verheißung erinnert, die Gott seinem Volk gibt: „Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen.“ (Josua 1,5 LUT). Diese Zusage gilt auch in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit. Möge die Geschichte der Ingenbohler Schwestern uns ermutigen, Veränderungen im Vertrauen auf Gottes beständige Gegenwart zu begegnen.

„Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ (Hebräer 13,8 ELB)

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Kommentare

Häufig gestellte Fragen

Warum haben die Schwestern das Krankenhaus verkauft?
Die Entscheidung wurde notwendig aufgrund der demografischen Entwicklung der Ordensgemeinschaft und zur Sicherung der Altersversorgung der älteren Schwestern. Über 230 der etwa 270 Schweizer Schwestern sind über 80 Jahre alt.
Was passiert mit dem Erlös aus dem Verkauf?
Der Verkaufserlös von etwa 530 Millionen Franken dient primär der Absicherung der Altersversorgung der Ordensschwestern. Zuvor unterstützte die Gemeinschaft auch wirtschaftlich schwächere Provinzen ihres Ordens weltweit.
Wie wirkt sich der Verkauf auf die Patientenversorgung aus?
Das Universitätsspital Basel übernahm das Claraspital mit seinem qualifizierten Personal und seiner exzellenten Struktur. Die Integration der etwa 1200 Mitarbeitenden erfolgte behutsam, um Kontinuität in der Patientenversorgung zu gewährleisten.
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