Martina Köninger ist eine Frau, die man nicht so schnell vergisst. Sie begegnet einem mit offenen Armen, hört aufmerksam zu und erzählt mit einem Lachen, das ansteckend wirkt. Dass sie im Rollstuhl sitzt, fällt erst später auf. Und noch später begreift man: Diese Tatsache hat ihr Leben geprägt, aber sie definiert es nicht. Martina hat gelernt, dass Einschränkungen nicht das Ende bedeuten, sondern der Anfang eines neuen Weges sein können.
Ihre Geschichte beginnt in den frühen 1990er Jahren, als sie in der Einrichtung „Hoffnung für dich“ auf Schloss Falkenberg in Nordhessen arbeitet. Dort leitet sie die Töpferei, einen Bereich der Arbeitstherapie für Menschen mit Suchterkrankungen. Mit Ton, Drehscheibe und geschickten Händen schafft sie nicht nur schöne Formen, sondern auch einen Raum der Begegnung und Heilung. Diese Zeit prägt sie tief und verändert ihren Blick auf das Leben.
Die Begegnung mit Horst: Eine Liebe, die wächst
In dieser Gemeinschaft lernt Martina Horst kennen. Er ist Tischler aus Franken und absolviert seinen Zivildienst bei „Hoffnung für dich“. Gegensätze ziehen sich an: Horst ist ruhig, schüchtern und verlässlich, während Martina freiheitsliebend und skeptisch gegenüber festen Bindungen ist. Die ersten Monate ihrer Beziehung sind von ständigen Trennungen geprägt – fast jede Woche trennen sie sich und kommen doch wieder zusammen. Was sie zusammenhält, ist die Erfahrung, dass Horst in ihrem Alltag eine ausgleichende und tragende Kraft ist.
Ein Unfall verändert alles
Kurz nach der Verlobung geschieht das Unfassbare: Martina hat einen schweren Autounfall. Ihr mit Ton beladener Wagen gerät ins Schleudern, zwei andere Autos fahren hinein. Sie überlebt knapp und liegt wochenlang auf der Intensivstation. Ob sie jemals wieder aufwachen würde, war ungewiss. Horst erfährt von dem Unglück während einer Besprechung und eilt ins Krankenhaus. Anfangs kann er sie nur durch eine Glasscheibe sehen. In seiner Verzweiflung ist er wütend auf Gott, enttäuscht – und erlebt dennoch einen Frieden, der ihn trägt. Wie der Apostel Paulus schreibt: „Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus“ (Philipper 4,7, Luther 2017).
Abschied von Selbstverständlichkeiten
Martina überlebt, bleibt aber querschnittgelähmt. Noch unter starken Schmerzmitteln beendet sie die Beziehung zu Horst. Sie will ihn von einem Leben mit einer behinderten Frau „befreien“. Doch Horst will davon nichts wissen. Seine Liebe zu Martina ist nicht an körperliche Fähigkeiten gebunden. Für ihn steht nie zur Debatte, dass er sie verlassen könnte. Er zitiert aus dem Hohelied der Liebe: „Die Liebe hört niemals auf“ (1. Korinther 13,8, Luther 2017).
Für Martina beginnt ein langer Weg des Abschieds – Abschied von Selbstverständlichkeiten, von der körperlichen Beweglichkeit, von einem früheren Ich. Besonders schmerzt sie der Blick der anderen: „Plötzlich war ich nicht mehr die attraktive junge Frau, sondern die Rollstuhlfahrerin“, erinnert sie sich. Doch in dieser Zeit entdeckt sie auch neu, was trotz ihrer Behinderung alles möglich ist. Sie lernt schwimmen, Kanu fahren, reiten und Rollstuhlbike fahren. Ihr Leben wird komplizierter, aber ihr Horizont nicht kleiner.
Die ersten Monate: Schmerz und Hoffnung
Trotz dieser Fortschritte sind die ersten Monate alles andere als leicht. Körperliche Schmerzen und seelische Tiefs gehen Hand in Hand. Martina kämpft mit der Frage, warum Gott dies zugelassen hat. In der Bibel findet sie Trost in den Worten des Psalms: „Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“ (Psalm 23,1, Luther 2017). Sie erlebt, dass Gott auch in der Dunkelheit gegenwärtig ist, auch wenn sie ihn nicht immer spürt.
Ein neues Leben voller Möglichkeiten
Heute blickt Martina auf ein erfülltes Leben zurück. Sie und Horst haben geheiratet und führen eine Ehe, die von gegenseitigem Respekt und tiefer Verbundenheit geprägt ist. Martina engagiert sich in der Selbsthilfe und ermutigt andere Menschen mit Behinderung, ihre Träume nicht aufzugeben. Sie sagt: „Es ist kompliziert – aber vieles ist möglich.“ Diese Einstellung hat sie zu einer Botschafterin der Hoffnung gemacht.
Ihre Geschichte zeigt, dass Gott auch aus scheinbar ausweglosen Situationen einen Weg bahnen kann. Der Prophet Jeremia schreibt: „Denn ich weiß, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, um euch eine Zukunft und eine Hoffnung zu geben“ (Jeremia 29,11, Luther 2017). Martina hat erfahren, dass diese Verheißung auch in ihrem Leben gilt.
Praktische Anwendung: Was wir von Martina lernen können
Martinas Geschichte lädt uns ein, über unsere eigenen Einschränkungen nachzudenken – seien sie körperlicher, seelischer oder sozialer Art. Oft neigen wir dazu, uns von unseren Grenzen definieren zu lassen. Doch Martina ermutigt uns, den Blick auf das Mögliche zu richten und Gott zuzutrauen, dass er uns auch auf schwierigen Wegen trägt. Fragen Sie sich: Welche „Selbstverständlichkeiten“ in Ihrem Leben könnten Sie loslassen, um Raum für Neues zu schaffen? Wie können Sie in Ihrer Gemeinde oder Ihrem Umfeld Menschen mit Behinderung willkommen heißen und ihre Gaben wertschätzen?
Abschließend ein Gedanke aus dem Brief an die Römer: „Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken“ (Römer 8,28, Luther 2017). Diese Zusage gilt auch für komplizierte Lebenswege. Vertrauen Sie darauf, dass Gott mit Ihnen geht – egal, wie steinig der Pfad ist.
Kommentare