Am Ostersonntag des Jahres 2025 erreichte die christliche Gemeinschaft eine bewegende Nachricht. Pater Jean-Claude Chupin OFM, ein Mann, dessen Existenz tief im Glauben verwurzelt war, verstarb im gesegneten Alter von 95 Jahren im Mutterhaus der Gemeinschaft vom Lamm in Saint-Pierre, Frankreich. Sein Lebensweg, der 1931 begann, war geprägt von einer unerschütterlichen Hingabe an Christus und den Nächsten.
Die Wurzeln einer Berufung
Schon in jungen Jahren spürte Jean-Claude Chupin den Ruf Gottes. Im Alter von 21 Jahren trat er in das Noviziat der Franziskaner ein, einem Orden, der für seine Betonung der Armut, der Demut und der Freude an der Schöpfung bekannt ist. Diese franziskanische Spiritualität sollte die Grundmelodie seines gesamten weiteren Wirkens bleiben. Viele Jahre diente er als Pfarrer in ländlichen Gemeinden nahe Vézelay, wo er in einfacher, pastoraler Nähe zu den Menschen lebte.
Eine schicksalhafte Begegnung und eine neue Gemeinschaft
Ein entscheidendes Kapitel seines Lebens begann 1974, als er während einer Exerzitienwoche einer Gruppe von Dominikanerinnen predigte. Unter den Teilnehmerinnen befand sich Schwester Marie. In den Gesprächen und im gemeinsamen Gebet entdeckten beide eine tiefe Übereinstimmung in der Sehnsucht nach einer Rückkehr zum Kern des Evangeliums, inspiriert vom Geist des Zweiten Vatikanischen Konzils. Aus dieser geistlichen Freundschaft und der Ermutigung durch seine franziskanischen Mitbrüder erwuchs nach und nach der Keim für eine neue Gemeinschaft.
Im Jahr 1981 gründeten Pater Jean-Claude und Schwester Marie schließlich die „Gemeinschaft vom Lamm“. Diese öffentliche Vereinigung von Gläubigen vereint kontemplatives Gebet mit missionarischem Einsatz, insbesondere unter den Armen und Ausgegrenzten. Die Spiritualität ist stark von dominikanischen Elementen der Verkündigung und Lehre durchdrungen, während das Herz weiterhin franziskanisch schlug.
Ein Franziskaner im Herzen
Trotz seiner zentralen Rolle in der neuen Gemeinschaft blieb Pater Jean-Claude zeitlebens seinem franziskanischen Gelübde treu. Er war bekannt als „der kleine Bruder in braun“, der weiterhin das Ordensgewand der Franziskaner trug. Erst 1994 übernahm er ein offizielles Amt innerhalb der Gemeinschaft vom Lamm. Diese Verbundenheit spiegelt sich in einem Wort des heiligen Franziskus wider:
„Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens.“Dieses Gebet war Leitmotiv für seinen Dienst.
Die Straße als Ort der Sendung
Die Liebe zu den Armen war kein theoretisches Konzept für ihn, sondern eine lebendige Berufung. Nachdrücklich bat er seine Oberen um die Erlaubnis, direkt zu den Menschen an den Rändern der Gesellschaft zu gehen. Zwischen 1982 und 1993 lebte und predigte er elf Jahre lang mit zwei weiteren Franziskanerbrüdern auf der Straße. In dieser Zeit wurde das Wort aus dem Matthäusevangelium für ihn zur täglichen Wirklichkeit:
„Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matthäus 25,40, Luther 2017)
Selbst in diesen Jahren des mobilen Lebens fand er regelmäßig den Weg zu den Versammlungen der Gemeinschaft in den französischen Pyrenäen, wo er für viele Brüder und Schwestern zu einem geistlichen Vater wurde.
Ein Vermächtnis des Evangeliums
Sein Gesundheitszustand hatte sich seit Januar 2025 verschlechtert, was vielen seiner Mitbrüder und -schwestern die Möglichkeit gab, ihn in dieser letzten Lebensphase besonders nah zu begleiten. In einer Mitteilung nach seinem Tod berichtete die Gemeinschaft: „Bis zum Schluss hat Bruder Jean-Claude auf eine Weise, die uns alle erbaut hat, sein Leben hingegeben und Kräfte aus Quellen geschöpft, die er eigentlich nicht mehr hatte, um jedem sein Lächeln, ein Wort, seinen gütigen Blick und seine brüderliche und väterliche Zuwendung zu schenken.“
Die Gemeinschaft vom Lamm betont ihre tiefe Verbundenheit mit Jesus Christus, dem Evangelium und dem heiligen Franz von Assisi. Ein Ausspruch von Pater Jean-Claude wurde zu einem prägenden Motto: „Evangelium, Evangelium, Evangelium!“ Sein Leben wird als „erfüllt vom Licht des Evangeliums“ in dankbarer Erinnerung behalten.
Geistliche Impulse für uns heute
Das Leben von Pater Jean-Claude Chupin lädt zu einer persönlichen und gemeinschaftlichen Reflexion ein. In einer Zeit, die oft von Hektik und Komplexität geprägt ist, erinnert sein Weg an die befreiende Einfachheit der Nachfolge Jesu.
- Die Rückkehr zum Wesentlichen: Seine Suche nach dem Kern des Evangeliums ist ein Aufruf, regelmäßig in der Heiligen Schrift zu lesen und zu prüfen, was im eigenen Glauben und Leben wirklich zentral ist.
- Einheit in der Vielfalt: Er lebte vor, wie franziskanische und dominikanische Spiritualität sich bereichern können. Dies ermutigt zu einem ökumenischen Geist, der die Gaben verschiedener christlicher Traditionen wertschätzt.
- Glaube in Aktion: Seine Jahre auf der Straße zeigen, dass christliche Nächstenliebe konkrete Gestalt annehmen muss. Sie fragt uns: Wo sind die „Armen“ in meinem Umfeld – nicht nur materiell, sondern auch emotional oder geistlich?
- Treue in der Berufung: Trotz neuer Aufgaben blieb er seinem ursprünglichen Gelübde treu. Das erinnert an die Bedeutung von Beständigkeit und Verlässlichkeit im eigenen christlichen Engagement.
Möge sein Beispiel uns inspirieren, mit neuem Eifer die Worte des Apostels Paulus zu leben:
„Denn ich schäme mich des Evangeliums von Christus nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die glauben.“ (Römer 1,16, Luther 2017)In dieser Kraft dürfen wir, jeder an seinem Platz, Zeugen der Liebe Gottes sein.
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