Armeniens christliches Erbe: Glaube nach dem Atheismus der Sowjetzeit

Quelle: EncuentraIglesias Editorial

Armenien gilt als die erste Nation, die das Christentum zur Staatsreligion erhob – im Jahr 301 n. Chr. durch den heiligen Gregor den Erleuchter. Diese tiefe Verwurzelung im christlichen Glauben prägt die Kultur und Identität des armenischen Volkes bis heute. Doch die Geschichte war nicht immer gnädig mit diesem Glauben. Die atheistische Unterdrückung unter der Sowjetherrschaft hinterließ tiefe Narben in der religiösen Landschaft des Landes.

Armeniens christliches Erbe: Glaube nach dem Atheismus der Sowjetzeit

Jahrzehntelang wurden Kirchen geschlossen oder in Museen umgewandelt, Priester verfolgt und die religiöse Erziehung verboten. Dennoch blieb der Funke des Glaubens in vielen Herzen am Leben. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion erlebte Armenien eine geistliche Wiederbelebung, die bis heute anhält.

„Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Römer 8,38-39, Luther 2017)

Diese Zusage aus dem Römerbrief gibt Hoffnung: Keine noch so atheistische Ideologie kann die Liebe Gottes zu seinem Volk auslöschen. Die armenischen Christen haben dies in ihrer Geschichte erfahren.

Die Spuren des sowjetischen Atheismus

Die Sowjetunion verfolgte eine Politik der systematischen Unterdrückung von Religion. In Armenien wurden Tausende von Kirchen zerstört oder zweckentfremdet. Klöster verfielen, und die Bibel war vielerorts nicht erhältlich. Viele Menschen wuchsen ohne jede religiöse Bildung auf.

Doch das Erbe des Glaubens ließ sich nicht vollständig auslöschen. In Familien wurden heimlich Gebete gesprochen, und religiöse Feste wurden im Verborgenen gefeiert. Die Armenische Apostolische Kirche, die sich auf die Tradition der Apostel Thaddäus und Bartholomäus beruft, blieb ein stiller, aber fester Anker für die Gläubigen.

Die Wende: Perestroika und die Wiedergeburt des Glaubens

Mit der Perestroika und der damit einhergehenden Religionsfreiheit in den späten 1980er Jahren begann eine neue Ära. Kirchen wurden wiedereröffnet, und die Armenische Apostolische Kirche erlebte einen Zustrom von Gläubigen, die ihre Wurzeln wiederentdeckten. Heute ist die Kirche wieder ein zentraler Bestandteil des öffentlichen Lebens.

  • Wiedereröffnung historischer Kirchen und Klöster
  • Neue Bibelausgaben und christliche Literatur in armenischer Sprache
  • Wachsende Zahl von Priesterberufungen
  • Aktive Beteiligung der Kirche an sozialen Projekten

Der Glaube als kulturelle Identität

Für viele Armenier ist der christliche Glaube untrennbar mit der nationalen Identität verbunden. Der Völkermord von 1915, die sowjetische Unterdrückung und die jüngsten Konflikte haben das Bewusstsein für die eigene Verwundbarkeit geschärft. Der Glaube gibt Trost und Orientierung in einer unbeständigen Welt.

Die Bibel spricht von der Bewahrung des Glaubens in schwierigen Zeiten. Im Hebräerbrief heißt es: „Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat“ (Hebräer 10,23, Luther 2017). Diese Treue Gottes erfahren die armenischen Christen in ihrer Geschichte.

Praktische Anwendung: Was können wir von Armenien lernen?

Die Geschichte der armenischen Christen lehrt uns, dass Glaube auch unter widrigsten Umständen überleben kann. Wir sind eingeladen, über unsere eigene Glaubensfestigkeit nachzudenken: Wie tief sind unsere Wurzeln? Sind wir bereit, auch in schwierigen Zeiten an unserem Glauben festzuhalten?

Ein praktischer Schritt könnte sein, die Geschichte der Christenverfolgung in der Welt bewusster wahrzunehmen und für verfolgte Christen zu beten. Vielleicht können wir auch unsere eigene Gemeinde ermutigen, sich mit dem reichen Erbe der armenischen Kirche zu beschäftigen – durch Bücher, Reisen oder Kontakte zu armenischen Gemeinden in unserer Nähe.

„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ (Johannes 20,29, Luther 2017)

Diese Worte Jesu an Thomas sind eine Ermutigung für alle, die trotz aller Widrigkeiten an Gott festhalten. Die armenischen Christen sind ein lebendiges Beispiel für diesen seligen Glauben.


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Häufig gestellte Fragen

Warum ist Armenien als erstes christliches Land bekannt?
Armenien erklärte das Christentum im Jahr 301 n. Chr. zur Staatsreligion, noch vor dem Römischen Reich. Dies geschah durch den heiligen Gregor den Erleuchter, der König Trdat III. taufte.
Wie hat die Sowjetunion den christlichen Glauben in Armenien beeinflusst?
Die Sowjetunion verfolgte eine atheistische Politik, die Kirchen schloss, Priester verfolgte und religiöse Bildung unterdrückte. Viele Kirchen wurden zerstört oder zweckentfremdet, doch der Glaube überlebte im Verborgenen.
Welche Rolle spielt die Armenische Apostolische Kirche heute?
Die Armenische Apostolische Kirche ist heute wieder eine zentrale Institution im öffentlichen Leben. Sie engagiert sich in sozialen Projekten, fördert die religiöse Erziehung und ist ein wichtiger Identitätsträger für das armenische Volk.
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