Ukraine-Krieg: Gezielte Angriffe auf Kirchen und die wachsende Rolle des Glaubens

Fuente: EncuentraIglesias Editorial

Seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor vier Jahren werden in der Ukraine immer wieder Kirchen und Geistliche angegriffen. Die Religionswissenschaftlerin Iryna Fenno, die für die Organisation „Religion on fire“ arbeitet, berichtete auf dem Katholikentag in Würzburg von gezielten Attacken der russischen Armee auf religiöse Einrichtungen. Neben diesen direkten Angriffen gebe es zahlreiche weitere, die als Kollateralschäden zu bezeichnen seien. Kirchen und ihre Nebengebäude würden zudem von russischen Soldaten zweckentfremdet, etwa als Waffenlager.

Ukraine-Krieg: Gezielte Angriffe auf Kirchen und die wachsende Rolle des Glaubens

Diese Entwicklung ist alarmierend und wirft Fragen nach dem Schutz religiöser Einrichtungen in Kriegszeiten auf. Die Dokumentation solcher Vorfälle durch Organisationen wie „Religion on fire“ ist ein wichtiger Schritt, um das Ausmaß der Zerstörung sichtbar zu machen und internationale Aufmerksamkeit zu erzeugen.

Zunehmende Religiosität in der Ukraine

Interessanterweise hat der Krieg auch eine gegenläufige Bewegung ausgelöst: Die Religiosität in der Ukraine ist gestiegen. Wie Fenno weiter ausführte, genießt die Kirche als Institution neben der Armee das größte Vertrauen der Bevölkerung. Besonders die karitative Arbeit der Kirchen habe seit Kriegsbeginn stark an Bedeutung gewonnen. In einer Zeit der Not und Unsicherheit suchen viele Menschen Trost und Halt im Glauben.

Die Bibel spricht in solchen Situationen von der Nähe Gottes zu den Bedrängten. In Psalm 34,19 heißt es: „Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.“ Diese Verheißung erfahren viele Ukrainer in der Gemeinschaft ihrer Gemeinden.

Neue Friedensethik der EKD: Realismus statt naivem Pazifismus

Im Rahmen der Veranstaltung „Krieg und Frieden in der Ukraine“ verteidigte Anne Gidion, die Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die neue Friedensdenkschrift ihrer Kirche. Diese sei keine Absage an den Pazifismus, betonte sie. Vielmehr müsse in geopolitisch schwierigen Zeiten der Schutz vor Gewalt im Vordergrund stehen. Solange Menschen nicht in Sicherheit leben könnten, gebe es keinen gerechten Frieden. Die Denkschrift sei daher Ausdruck eines Realismus, der die Hoffnung auf Frieden nicht aufgibt. Absoluter Pazifismus wird darin als politische Theorie bezeichnet.

Auch der Konflikt- und Friedensforscher Carlo Masala erteilte einem radikalen Pazifismus eine Absage. Dieser sei naiv, erklärte er. Wenn der Angreifer keinen Frieden wolle, werde durch Dialog allein kein Frieden geschaffen. Die Ziele des Pazifismus seien zwar grundsätzlich richtig, doch müsse er auch das Selbstverteidigungsrecht der Völker anerkennen. Diese Position entspricht der biblischen Perspektive, dass Frieden und Gerechtigkeit eng zusammengehören. In Jesaja 32,17 heißt es: „Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird Ruhe und Sicherheit sein für immer.“

Die Bergpredigt als Orientierung für Soldaten

Der Inspektor des Heeres, Christian Freuding, bezog sich in der Podiumsdiskussion auf die Bergpredigt. Er könne viel mit ihr anfangen, sagte er. Als Christen sei es „unser Auftrag“, in einer erlösungsbedürftigen Welt dem Frieden nachzujagen. Freuding wies darauf hin, dass in der Bergpredigt direkt nach den Friedensstiftern diejenigen erwähnt werden, die Gerechtigkeit nachjagen (Matthäus 5,9-10). Für ihn gehören beide Aspekte untrennbar zusammen. Diese Sichtweise zeigt, dass militärischer Dienst und christliche Ethik nicht im Widerspruch stehen müssen, wenn es um den Schutz von Unschuldigen geht.

Praktische Anwendung: Was können wir tun?

Die Berichte aus der Ukraine fordern uns als Christen heraus. Wir sind aufgerufen, für die Verfolgten und Leidenden zu beten und uns für Frieden und Gerechtigkeit einzusetzen. Konkret können wir:

  • Spenden für humanitäre Hilfsorganisationen, die in der Ukraine tätig sind.
  • Uns über die Lage informieren und das Bewusstsein in unserem Umfeld schärfen.
  • Für die Regierenden und Verantwortlichen beten, dass sie Wege zum Frieden finden.

Die Worte aus dem Hebräerbrief mögen uns dabei leiten: „Vergesst nicht, Gutes zu tun und miteinander zu teilen; denn solche Opfer gefallen Gott“ (Hebräer 13,16). Jeder Beitrag, sei er noch so klein, kann einen Unterschied machen.

Fragen zur Reflexion

Abschließend möchten wir Sie einladen, über folgende Fragen nachzudenken:

  • Wie kann ich angesichts von Krieg und Gewalt meinen Glauben bewahren und konkret helfen?
  • Welche Rolle spielt die Kirche in meinem Leben als Ort der Zuflucht und Gemeinschaft?
  • Wie kann ich Frieden stiften, auch wenn die Umstände schwierig sind?

¿Te gustó este artículo?

Comentarios

Preguntas frecuentes

Warum werden Kirchen in der Ukraine gezielt angegriffen?
Die Angriffe auf Kirchen sind Teil der russischen Kriegsführung, um die ukrainische Identität und den Zusammenhalt zu schwächen. Kirchen werden als Symbole des Widerstands gesehen und oft zweckentfremdet, etwa als Waffenlager.
Wie hat sich die Religiosität in der Ukraine seit Kriegsbeginn verändert?
Die Religiosität ist gestiegen. Viele Ukrainer suchen in Zeiten der Not Trost und Halt im Glauben. Die Kirche genießt neben der Armee das größte Vertrauen der Bevölkerung, besonders durch ihre karitative Arbeit.
Was sagt die Bibel zum Thema Krieg und Frieden?
Die Bibel betont die Sehnsucht nach Frieden, aber auch die Notwendigkeit von Gerechtigkeit. In der Bergpredigt werden die Friedensstifter seliggepriesen, aber auch die, die nach Gerechtigkeit streben. Jesus ruft zur Feindesliebe auf, aber das Alte Testament kennt auch das Recht auf Selbstverteidigung.
← Volver a Fe y Vida Más en Christliche Nachrichten