Im Erzbistum Freiburg hat Erzbischof Stephan Burger kürzlich die Strukturreform der Pfarreien verteidigt und betont, dass diese kein Selbstzweck sei. Vielmehr diene sie dem Ziel, „dem Wachstum des Reiches Gottes zu dienen“. Die Reform, die zum Jahresbeginn in Kraft trat, reduzierte die Zahl der Pfarreien von über 1000 auf nur noch 36. Dies ist ein radikaler Schritt, der in der deutschen Kirchenlandschaft für Aufsehen sorgt.
Burger erklärte bei einem Besuch in der Pfarrei Oberkirch St. Cyriak: „Wir dürfen uns als Kirche nicht so einrichten, als ob wir die Hände in den Schoß legen und einfach nur noch abwarten, wie sich Welt und Menschen verändern.“ Stattdessen müsse die Kirche aktiv auf die Menschen zugehen und die Botschaft Jesu Christi in die Welt tragen. Diese Haltung erfordere Mut und Vertrauen in Gottes Führung.
„Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch eine Zukunft und eine Hoffnung gebe.“ (Jeremia 29,11, Luther 2017)
Diese Bibelstelle unterstreicht, dass Gottes Pläne für seine Kirche nicht in Stillstand oder Resignation bestehen, sondern in einer lebendigen Zukunft. Die Reform in Freiburg ist ein Versuch, diese Zukunft aktiv zu gestalten.
Warum eine Strukturreform nötig ist
Die Notwendigkeit der Reform wird durch die aktuellen Zahlen deutlich: Von mehr als 1,5 Millionen Katholiken im Erzbistum besuchen nur noch 84.000 regelmäßig den Sonntagsgottesdienst – das entspricht einer Quote von 5,6 Prozent. Diese Entwicklung ist nicht nur in Freiburg, sondern in weiten Teilen Deutschlands zu beobachten. Die Kirche steht vor der Herausforderung, mit schrumpfenden Ressourcen und einer sich verändernden Gesellschaft umzugehen.
Burger argumentierte, dass Strukturen wie Grundgerüste seien, die stabilisieren und tragen helfen. Sie ersetzten jedoch nicht das Leben, das sich in ihnen entfalten wolle. Die Reform solle daher nicht als reine Verwaltungsmaßnahme verstanden werden, sondern als geistlicher Impuls, der die Gemeinden befähige, sich neu auf ihren Auftrag zu besinnen.
Die Rolle der Gemeinden
In den neuen Großpfarreien sollen die einzelnen Gemeinden weiterhin eigenständig bleiben und ihr Profil bewahren können. Gleichzeitig ermöglichen größere Einheiten eine effizientere Nutzung von Personal und Ressourcen. Burger betonte, dass es nicht um eine reine „Verschlankung“ gehe, sondern um eine Stärkung der Seelsorge vor Ort. „Alles, was wir hier angefangen und unternommen haben, hat ja nur den einen Zweck und das eine Ziel, dem Wachstum des Reiches Gottes zu dienen“, so der Erzbischof.
Herausforderungen und Chancen
Die Reform stößt nicht überall auf Zustimmung. Viele Gläubige fürchten um den Verlust vertrauter Strukturen und lokaler Traditionen. Burger räumte ein, dass Veränderungen schmerzhaft sein können, doch er rief dazu auf, nicht in der Vergangenheit zu verharren. „Wenn die Botschaft Jesu Christi wirken soll, braucht er nicht den Starrsinn, der einzig und allein auf die Vergangenheit pocht, sondern es braucht das offene und liebende Herz eines Kindes, das darauf vertraut, dass die Eltern es mit ihm gut meinen“, sagte er.
Diese Haltung des Vertrauens sei entscheidend für den Weg in die Zukunft. „Es geht um eine Zukunft, in der wir die Freude über das Evangelium nicht verloren haben, sondern leben, ja diese Freude mit einem Leben aus dem Glauben bezeugen“, so Burger. Die Kirche müsse sich als Sendungsgemeinschaft verstehen, die nicht um sich selbst kreist, sondern auf die Menschen zugeht.
„Geht hin und macht alle Völker zu Jüngern: tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles zu halten, was ich euch geboten habe.“ (Matthäus 28,19-20a, Luther 2017)
Dieser Missionsbefehl ist für die Kirche in Freiburg und weltweit der Auftrag, der über alle Strukturfragen hinausweist. Die Reform soll helfen, diesen Auftrag besser zu erfüllen.
Praktische Implikationen für die Gläubigen
Für die Gemeindemitglieder bedeutet die Reform, dass sie sich auf neue Formen der Zusammenarbeit und möglicherweise längere Wege einstellen müssen. Gleichzeitig eröffnen sich Chancen: Durch die Bündelung von Kräften können Angebote wie Jugendgruppen, Seniorenarbeit oder diakonische Projekte gestärkt werden. Die Kirche will so wieder näher an die Menschen heranrücken und ihre Botschaft glaubwürdig bezeugen.
Als Christen sind wir alle aufgerufen, unseren Glauben aktiv zu leben und weiterzugeben. Die Strukturreform in Freiburg kann uns daran erinnern, dass es nicht um die Erhaltung von Gebäuden oder Institutionen geht, sondern um die lebendige Beziehung zu Jesus Christus. Fragen Sie sich: Wie kann ich in meinem Umfeld dazu beitragen, dass das Reich Gottes wächst? Vielleicht durch ein offenes Gespräch, eine Einladung zum Gottesdienst oder durch praktische Hilfe für Bedürftige.
Die Kirche ist nicht nur eine Organisation, sondern die Gemeinschaft der Gläubigen, die von Gottes Liebe erfüllt ist. Lassen Sie uns gemeinsam darauf vertrauen, dass Gott auch durch schwierige Veränderungen hindurch einen Weg bereitet.
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