Am vergangenen Samstag fand im Bistum Eichstätt ein bedeutendes Ereignis statt: Drei Männer wurden zu Priestern geweiht. Nikolai Losev, Jonas Reißmann und Sebastian Scharnagl empfingen die Priesterweihe in einer feierlichen Zeremonie. Dies war umso bemerkenswerter, da in den Jahren 2022 und 2025 keine Priesterweihen stattfinden konnten. Die Gläubigen der Diözese zeigten sich daher besonders erfreut über diesen Zuwachs an geistlichen Berufungen.
Die Weihe wurde von Weihbischof em. Adolf Bittschi vorgenommen, der selbst aus dem Bistum Eichstätt stammt, aber viele Jahre in Bolivien tätig war. Bittschi war seit 2008 Weihbischof im Erzbistum Sucre und kehrte nun für diesen besonderen Anlass in seine Heimatdiözese zurück. Da das Bistum Eichstätt derzeit keinen eigenen Diözesanbischof hat, übernahm der emeritierte Weihbischof diese Aufgabe.
Die Predigt: Freundschaft mit Jesus Christus als Kern
In der Predigt betonte Dompropst Alfred Rottler, der als Diözesanadministrator das Bistum leitet, die zentrale Bedeutung der Freundschaft mit Jesus Christus für das priesterliche Leben. Diese Freundschaft müsse durch Gebet und Eucharistie genährt werden. Rottler sagte: „Die Berufung zum Priestertum ist ein Geschenk Gottes, aber auch eine Antwort des Menschen. Es ist, als ob eine innere Stimme sagt: Du, ich brauche dich! Auf, hinter mir her!“
Der Dompropst wies jedoch auch auf die Herausforderungen hin, die mit dem priesterlichen Dienst verbunden sind. Zweifel, Fragen und Unsicherheiten gehörten zum Leben eines Priesters dazu. Dennoch seien Priester berufen, mit Wort und Tat Zeugnis zu geben und die Liebe Gottes für die Menschen erfahrbar zu machen. Er zitierte den heiligen Augustinus: „Mit euch bin ich Christ, für euch bin ich Priester.“ Dieser Satz verdeutliche, dass der priesterliche Dienst aus der Gemeinschaft der Gläubigen erwächst und ihr dient.
„Ihr seid das Salz der Erde. Wenn aber das Salz seinen Geschmack verliert, womit kann man es wieder salzig machen?“ (Matthäus 5,13, Luther 2017)
Die drei Neupriester wurden ermutigt, in ihrer Berufung treu zu bleiben und sich stets auf die Gnade Gottes zu verlassen. Die Gemeinde antwortete mit kräftigem Applaus und Gebeten für die Geweihten.
Die Lebenswege der Neupriester
Jonas Reißmann und Sebastian Scharnagl stammen aus dem Bistum Eichstätt und haben ihre theologische Ausbildung in der Diözese absolviert. Nikolai Losev hingegen kommt aus dem Großraum Moskau. Er konvertierte gegen den Willen seiner Eltern zum katholischen Glauben und spürte eine Berufung zum Priestertum. Da es in Russland Schwierigkeiten gab, sein Studium zu absolvieren, kam Losev nach Deutschland. Er studierte in Eichstätt und an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. in Heiligenkreuz bei Wien.
Die unterschiedlichen Hintergründe der drei Männer zeigen, dass Gott Menschen aus allen Nationen und Lebensumständen beruft. Dies ist ein Zeichen der weltweiten Gemeinschaft der Kirche.
Biblische Grundlagen des Priestertums
Das Priestertum hat tiefe Wurzeln in der Bibel. Bereits im Alten Testament wurden Priester eingesetzt, um den Opferdienst zu verrichten und das Volk zu lehren. Im Neuen Testament wird Jesus Christus selbst als der wahre Hohepriester bezeichnet, der sich ein für alle Mal geopfert hat (Hebräer 4,14-16). Die Priester der Kirche sind Teilhaber an diesem einen Priestertum Christi.
„Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus.“ (1. Timotheus 2,5, Luther 2017)
Der priesterliche Dienst ist ein Dienst der Versöhnung und der Vermittlung. Priester sind berufen, die Sakramente zu spenden, das Wort Gottes zu verkünden und die Gemeinde zu leiten. Dies erfordert eine tiefe persönliche Beziehung zu Christus und eine beständige Ausrichtung auf den Willen Gottes.
Herausforderungen und Freuden des Priesterberufs
Der Weg zum Priestertum ist nicht immer einfach. Viele Priester berichten von Momenten der Einsamkeit, der Anfechtung und des Zweifels. Doch die Freude, Menschen zu Gott zu führen und sie in ihren Lebenskrisen zu begleiten, überwiegt. Die Gemeinschaft mit Christus und die Unterstützung durch die Gläubigen geben Kraft.
Die drei Neupriester werden in den kommenden Wochen und Monaten ihre ersten Einsätze in verschiedenen Gemeinden des Bistums antreten. Sie werden Taufen, Trauungen und Beerdigungen feiern, predigen und seelsorglich tätig sein. Die Gemeinde ist eingeladen, sie mit Gebet und Wohlwollen zu unterstützen.
Ein Wort an die Leser
Die Weihe von drei neuen Priestern ist ein Grund zur Freude und zur Dankbarkeit. Sie erinnert uns daran, dass Gott auch heute noch Menschen beruft, ihm zu dienen. Vielleicht spüren auch Sie eine leise Stimme, die Sie zu einem besonderen Dienst ruft. Nehmen Sie sich Zeit zum Gebet und hören Sie auf das, was Gott Ihnen sagen möchte. Jeder Christ ist berufen, Zeuge der Liebe Gottes zu sein – ob im priesterlichen Dienst oder im Alltag.
Fragen zur Reflexion: Haben Sie schon einmal über Ihre eigene Berufung nachgedacht? Wie können Sie in Ihrem Umfeld die Liebe Gottes weitersagen? Beten Sie für die neuen Priester und für alle, die sich auf den Weg der Nachfolge machen.
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