In einer Zeit, in der Migration und Flucht zu den großen gesellschaftlichen Herausforderungen gehören, zeigt die Caritas Deutschland eindrucksvoll, was gelebte christliche Nächstenliebe bedeutet. Mit über 690.000 Mitarbeitern und mehr als 500.000 Ehrenamtlichen ist der Deutsche Caritasverband der größte private Arbeitgeber in Deutschland und ein unverzichtbarer Teil des sozialen Netzes.
Hilfe ohne Ansehen der Person
„Unser Auftrag ist klar: Wir helfen Menschen in Not, unabhängig von ihrer Herkunft, Religion oder ihrem Status", erklärt Caritas-Präsidentin Eva Maria Welskop-Deffaa bei ihrem Besuch in der Beratungsstelle für Geflüchtete in München-Milbertshofen. „Das ist nicht nur ein professioneller Auftrag, sondern vor allem ein christlicher."
Die Münchener Caritas-Zentrale, nur wenige hundert Meter von der berühmten Theatinerkirche entfernt, koordiniert allein in Bayern über 200 Projekte für Geflüchtete. Von der ersten Notunterkunft bis zur Integration in den Arbeitsmarkt begleitet die Caritas Menschen auf ihrem oft schwierigen Weg in ein neues Leben.
Konkrete Hilfe vor Ort
In Hamburg-Harburg betreibt die Caritas eine der modernsten Beratungsstellen für Geflüchtete in Deutschland. Hier arbeiten Sozialarbeiter, Juristen, Psychologen und Dolmetscher Hand in Hand. „Viele Menschen kommen zu uns mit zerbrochenen Träumen und großen Ängsten", berichtet Projektleiterin Dr. Amira Hassan, selbst vor Jahren als Geflüchtete aus Syrien nach Deutschland gekommen.
Besonders beeindruckend ist das Projekt „Ankommen in Köln". In den Räumen der St. Agnes-Gemeinde in Köln-Nippes bieten Ehrenamtliche täglich Deutschkurse, Behördengänge-Unterstützung und einfach ein offenes Ohr für die Sorgen der Neuankömmlinge. „Manchmal ist das Wichtigste einfach da zu sein", erzählt die 67-jährige Ehrenamtliche Margret Schneider, die seit drei Jahren jeden Mittwoch im Projekt hilft.
Integration durch Bildung
Ein Schwerpunkt der Caritas-Arbeit liegt auf der Bildung. In Berlin-Wedding betreibt die Caritas eine Schule für Geflüchtete, in der nicht nur Deutsch gelehrt wird, sondern auch berufliche Qualifikationen vermittelt werden. „Bildung ist der Schlüssel zur Integration", betont Schulleiter Thomas Kramer. „Wenn ein syrischer Ingenieur hier als Taxifahrer arbeiten muss, ist das eine Verschwendung von Talenten."
Das Caritas-Bildungswerk in Stuttgart hat ein innovatives Programm entwickelt: Geflüchtete Akademiker werden zu Bildungsberatern ausgebildet und helfen anderen bei der Anerkennung ihrer Abschlüsse. „Wer selbst den Weg gegangen ist, kann anderen am besten helfen", erklärt Programmleiterin Dr. Sandra Müller-Hoffmann.
Hilfe für alle Bedürftigen
Doch die Caritas hilft nicht nur Geflüchteten. In den Großstädten Deutschlands betreibt sie Obdachlosenunterkünfte, Tagesstätten und Beratungsstellen. Die „Bahnhofsmission" in Frankfurt am Main ist rund um die Uhr geöffnet und bietet täglich bis zu 300 Menschen eine warme Mahlzeit und ein offenes Ohr.
„Armut hat viele Gesichter", erklärt der Frankfurter Caritasdirektor Dr. Stefan Nober. „Da ist die alleinerziehende Mutter, die nicht weiß, wie sie die Miete bezahlen soll, genauso wie der obdachlose Mann, der seinen Job verloren hat. Wir unterscheiden nicht - wir helfen."
Solidarität in der Corona-Nachwirkung
Die Pandemie hat die Arbeit der Caritas zusätzlich erschwert, aber auch ihre Bedeutung unterstrichen. In Düsseldorf organisierte die Caritas während der schwersten Phase der Pandemie Einkaufsdienste für ältere Menschen und stellte Tablets für Kinder zur Verfügung, die am Homeschooling teilnehmen sollten.
„Corona hat gezeigt, wie schnell Menschen in Not geraten können", berichtet die Düsseldorfer Caritasdirektorin Daniela Röseler. „Plötzlich kamen Menschen zu uns, die nie gedacht hätten, einmal Hilfe zu brauchen. Das hat uns alle nachdenklich gemacht."
Finanzierung durch Solidarität
Die Arbeit der Caritas wird zu etwa 60% durch öffentliche Mittel finanziert, der Rest stammt aus Spenden und Kollekten. Die jährliche Caritas-Sammlung in allen katholischen Pfarreien Deutschlands bringt regelmäßig über 50 Millionen Euro zusammen. „Diese Solidarität der Gläubigen ist überwältigend", betont Caritas-Präsidentin Welskop-Deffaa.
Ein besonderes Projekt ist die „Aktion Deutschland hilft", bei der die Caritas gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen in Katastrophenfällen schnell und unbürokratisch helfen kann. Nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 war die Caritas eine der ersten Organisationen vor Ort.
Ökumenische Zusammenarbeit
Obwohl die Caritas eine katholische Organisation ist, arbeitet sie eng mit anderen Konfessionen zusammen. Das Projekt „Gemeinsam gegen Armut" in Leipzig verbindet katholische und evangelische Gemeinden sowie muslimische Vereine. „Not kennt keine Konfessionsgrenzen", erklärt der Leipziger Caritasdirektor Dr. Matthias Mitzscherlich.
Blick in die Zukunft
Die Caritas Deutschland plant eine weitere Ausweitung ihrer Hilfsangebote. Besonders die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen und die Unterstützung von Menschen mit Behinderung stehen im Fokus. „Wir wollen da sein, wo Menschen uns brauchen", verspricht Präsidentin Welskop-Deffaa.
Mit der Ernennung von Papst León XIV. erhofft sich die Caritas neue Impulse für die soziale Arbeit. „Ein Papst, der wie seine Vorgänger die Option für die Armen lebt, wird uns in unserer Arbeit bestärken", ist sich die Caritas-Führung sicher.
Die Caritas Deutschland zeigt täglich, dass christliche Nächstenliebe mehr ist als nur ein Ideal - sie ist gelebte Praxis, die das Leben von Millionen Menschen in Deutschland positiv beeinflusst.
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