Das Bistum Mainz hat eine neue „Koordinationsstelle für Dialog und gesellschaftliche Verantwortung“ ins Leben gerufen. Diese Stelle bündelt die bisherigen Referate für Ökumene, Weltkirche, Gerechtigkeit und Frieden sowie den interreligiösen Dialog. Ziel ist es, die Zusammenarbeit zu intensivieren und die kirchliche Präsenz in gesellschaftlichen Debatten zu stärken.
Bischof Peter Kohlgraf betonte bei der Vorstellung: „Wir wollen als Kirche nicht nur im Inneren wirken, sondern auch nach außen hin Zeugnis geben. Der Dialog mit der Zivilgesellschaft, mit anderen Konfessionen und Religionen ist uns ein wichtiges Anliegen.“ Die neue Struktur soll ab sofort ihre Arbeit aufnehmen.
Leitung und Verantwortlichkeiten
Weihbischof Joshy Pottackal OCarm, der im Bistum Mainz auch für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des apostolischen Lebens zuständig ist, wird als Dezernent die Koordinationsstelle leiten. Er bringt Erfahrung aus der Seelsorge und der Personalarbeit mit. „Als Karmelit ist es mir ein Herzensanliegen, den Austausch zwischen den Ordensgemeinschaften und der Diözese zu fördern. Meine indischen Wurzeln helfen mir, die Vielfalt zu schätzen und den interkulturellen Dialog zu gestalten“, so Pottackal.
Eva Baillie ist als Leiterin der Koordinationsstelle vorgesehen. Sie erklärte: „Unser übergeordnetes Ziel ist der Dialog mit der Zivilgesellschaft, internationalen Partnern, ökumenischen Akteuren sowie mit anderen Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften. Wir unterstützen Haupt- und Ehrenamtliche im Bistum, schaffen Schnittstellen innerhalb der Struktur und beraten die Bistumsleitung in fachlichen Fragen.“
Hintergrund und biblische Perspektive
Die Gründung dieser Stelle ist ein Zeichen für die wachsende Bedeutung des Dialogs in einer pluralistischen Gesellschaft. Die Bibel ermutigt Christen immer wieder, Brücken zu bauen und friedlich mit allen Menschen zu leben. In Römer 12,18 heißt es: „Ist es möglich, soviel an euch liegt, so haltet mit allen Menschen Frieden.“ (Luther 2017). Auch der Hebräerbrief erinnert daran, Gastfreundschaft zu üben und Fremde willkommen zu heißen (Hebräer 13,2).
Die neue Koordinationsstelle soll genau dies fördern: Verständigung, Respekt und Zusammenarbeit über Grenzen hinweg. Sie ist ein praktisches Beispiel für den Auftrag der Kirche, „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ zu sein (Matthäus 5,13-16).
Weihbischof Pottackal: Ein Leben im Dienst der Einheit
Joshy Pottackal wurde am 30. April 1977 im indischen Bundesstaat Kerala geboren. Nach seiner Schulzeit trat er in den Karmelitenorden ein und wurde 2003 zum Priester geweiht. Anschließend kam er nach Deutschland, wo er an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Münster studierte. Seit 2006 war er im Bistum Mainz in der Seelsorge tätig, bevor er 2022 in das Bischöfliche Ordinariat wechselte. Dort arbeitete er als Personalreferent mit Schwerpunkt Priester. Im November 2025 ernannte ihn Papst Leo XIV. zum Weihbischof in Mainz; die Bischofsweihe empfing er im März 2026.
Seine Erfahrung in der Seelsorge und Verwaltung prädestiniert ihn für die neue Aufgabe. Er betont: „Indien ist ein Land der Vielfalt – ‚Einigkeit in Vielfalt‘ haben wir als Kinder schon beigebracht bekommen. Diese Haltung möchte ich auch in die Arbeit der Koordinationsstelle einbringen.“
Praktische Bedeutung für die Gemeinden
Die Koordinationsstelle wird nicht nur auf Diözesanebene wirken, sondern auch die Gemeinden vor Ort unterstützen. Ehrenamtliche und Hauptamtliche können sich an die Stelle wenden, wenn sie Fragen zu ökumenischen Projekten, interreligiösen Begegnungen oder gesellschaftlichem Engagement haben. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter helfen bei der Vernetzung und bieten fachliche Beratung.
Ein erster Schwerpunkt wird die Begleitung des Ökumenischen Kirchentags sein, der in den kommenden Jahren in Mainz stattfinden soll. Auch der Dialog mit muslimischen und jüdischen Gemeinden soll intensiviert werden. „Wir wollen konkrete Schritte gehen, um das Miteinander zu fördern“, so Eva Baillie.
Fazit und Ausblick
Die Gründung der Koordinationsstelle für Dialog und gesellschaftliche Verantwortung ist ein mutiger Schritt des Bistums Mainz. Sie zeigt, dass die Kirche bereit ist, sich den Herausforderungen einer multireligiösen und pluralistischen Gesellschaft zu stellen. Christen sind aufgerufen, „allezeit bereit zur Verantwortung“ zu sein (1. Petrus 3,15). Diese Stelle hilft, dieser Berufung gerecht zu werden.
Fragen zum Nachdenken: Wie können wir in unserem eigenen Umfeld den Dialog fördern? Welche Schritte können wir gehen, um Brücken zu bauen? Die Bibel ermutigt uns, nicht müde zu werden, Gutes zu tun (Galater 6,9). Möge diese neue Initiative vielen Menschen Segen bringen.
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