Am 8. Mai 2025, dem 80. Jahrestag der Kapitulation der deutschen Wehrmacht, trafen sich der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, und sein französischer Amtskollege, Kardinal Jean-Marc Aveline, in Hildesheim zu einem ganztägigen Austausch. Dieses Treffen war nicht nur ein historisches Gedenken, sondern auch ein lebendiges Zeichen der Versöhnung und der gemeinsamen christlichen Verantwortung in Europa.
Die Begegnung stand unter dem Leitwort der Hoffnung und des Friedens, wie es bereits der Apostel Paulus in seinem Brief an die Epheser formuliert: „Denn er ist unser Friede, der aus beiden eines gemacht hat und den Zaun abgebrochen hat, der zwischen ihnen war“ (Epheser 2,14, Luther 2017). Diese Worte gewinnen vor dem Hintergrund der deutsch-französischen Geschichte eine besondere Tiefe.
Themen des Austauschs
Erwachsenentaufe und Glaubensweitergabe
Ein zentrales Gesprächsthema war die wachsende Bedeutung der Erwachsenentaufe in beiden Ländern. Immer mehr Menschen entscheiden sich erst im Erwachsenenalter für die Taufe, was die Kirchen vor neue Herausforderungen und Chancen stellt. Die Bischöfe diskutierten, wie Gemeinden diese Glaubensentscheidung begleiten können. Dabei spielt die Vorbereitung auf die Taufe eine entscheidende Rolle, wie es auch die frühe Kirche praktizierte: „Tut Buße und lasse sich jeder von euch taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes“ (Apostelgeschichte 2,38, Luther 2017).
Der Nahostkonflikt und christliche Friedensarbeit
Ein weiteres wichtiges Thema war der anhaltende Nahostkonflikt. Beide Bischöfe betonten die Notwendigkeit einer gerechten Friedenslösung und die Rolle der Christen als Brückenbauer. Die christlichen Gemeinden im Heiligen Land sind oft diejenigen, die den Dialog zwischen den Religionen fördern. Die Bischöfe riefen zu Gebet und Unterstützung für die Christen in der Region auf: „Bittet für den Frieden Jerusalems! Es möge wohlgehen denen, die dich lieben“ (Psalm 122,6, Luther 2017).
Europa und die Zukunft der Kirche
Die Zukunft der Kirche in Europa war ein weiterer Schwerpunkt. Angesichts von Säkularisierung und Mitgliederschwund suchen die Kirchen nach neuen Wegen der Evangelisierung. Die Bischöfe waren sich einig, dass die deutsch-französische Freundschaft ein Modell für die europäische Einheit sein kann. Sie ermutigten die Gemeinden, über nationale Grenzen hinweg zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen.
Gemeinsame Gottesdienste und Gebet
Der Tag begann mit einem gemeinsamen Gebet in der Hildesheimer Basilika St. Godehard. Die Bischöfe feierten einen Wortgottesdienst, in dem sie für den Frieden in der Welt und die Einheit der Christen beteten. In ihrer Predigt erinnerte Kardinal Aveline an die Versöhnung zwischen Deutschen und Franzosen nach dem Zweiten Weltkrieg. Er sagte: „Die Vergebung ist ein Geschenk Gottes, das uns befähigt, neue Wege zu gehen.“ Bischof Wilmer ergänzte mit einem Zitat aus dem Matthäusevangelium: „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Kinder Gottes heißen“ (Matthäus 5,9, Luther 2017).
Bedeutung für die Gemeinden
Die Begegnung der Bischöfe ist ein starkes Signal für die Gemeinden in beiden Ländern. Sie zeigt, dass die christliche Botschaft der Versöhnung nicht nur historisch, sondern auch aktuell ist. Gemeinden können von diesem Beispiel lernen, indem sie Partnerschaften mit Gemeinden im Nachbarland pflegen und sich für Frieden und Gerechtigkeit einsetzen. Die Bibel ruft uns dazu auf: „Lasset uns aber Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen“ (Galater 6,9, Luther 2017).
Praktische Anregung
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um über die deutsch-französische Freundschaft nachzudenken. Vielleicht haben Sie persönliche Erfahrungen mit Menschen aus Frankreich oder anderen Ländern. Überlegen Sie, wie Sie in Ihrer Gemeinde Zeichen der Versöhnung setzen können. Beten Sie für den Frieden in Europa und der Welt. „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig“ (4. Mose 6,24-25, Luther 2017).
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