Im Libanon, einem Land, das seit Jahren unter politischen und wirtschaftlichen Krisen leidet, gibt es eine ungewöhnliche Geschichte, die zeigt, wie christlicher Glaube praktisch werden kann. Bischof Hanna Rahmé, ein 65-jähriger Geistlicher, ist nicht nur in der Kirche aktiv, sondern auch auf dem Feld. In seiner Heimatregion betreibt er eine eigene Landwirtschaft – mit Gummistiefeln, schmutziger Kleidung und einer Kappe auf dem Kopf. Diese Tätigkeit ist für ihn weit mehr als ein Hobby; sie ist Ausdruck seines Glaubens und ein Dienst an der Gemeinschaft.
Die Lage im Libanon ist nach wie vor angespannt. Die wirtschaftliche Krise hat viele Menschen in die Armut getrieben, und die Infrastruktur ist marode. In diesem Kontext wird die Landwirtschaft für Bischof Rahmé zu einem Symbol der Hoffnung. Er pflanzt Gemüse an, um nicht nur sich selbst zu versorgen, sondern auch um anderen zu helfen. Sein Einsatz zeigt, dass der Glaube an Jesus Christus nicht auf den Sonntag beschränkt ist, sondern den Alltag prägen kann.
Biblische Grundlagen: Arbeit und Fürsorge
Die Bibel spricht immer wieder von der Bedeutung der Arbeit und der Fürsorge für den Nächsten. Im Alten Testament lesen wir: „Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun“ (2. Mose 20,9, Luther 2017). Arbeit ist kein Fluch, sondern eine göttliche Berufung. Der Apostel Paulus ermutigt die Thessalonicher: „Müht euch ab und arbeitet mit euren eigenen Händen“ (1. Thessalonicher 4,11, ELB). Bischof Rahmé lebt diese Berufung auf eindrückliche Weise.
Doch es geht nicht nur um Arbeit an sich. Jesus lehrt uns, für die Bedürftigen zu sorgen: „Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan“ (Matthäus 25,40, Luther 2017). Indem der Bischof Gemüse anbaut und es mit anderen teilt, setzt er diese Worte in die Tat um. Seine Landwirtschaft ist ein konkretes Beispiel für Nächstenliebe.
Die Herausforderungen im Libanon: Ein Land im Überlebensmodus
Der Libanon befindet sich in einer der schwersten Krisen seiner Geschichte. Die Inflation ist hoch, die Währung hat massiv an Wert verloren, und viele Menschen haben ihren Arbeitsplatz verloren. Dazu kommen politische Spannungen und die Auswirkungen des Krieges in der Region. In diesem Umfeld ist es für viele eine tägliche Herausforderung, genug zu essen zu haben.
Bischof Rahmé hat erkannt, dass die Kirche in solchen Zeiten nicht nur geistliche, sondern auch praktische Hilfe leisten muss. Seine Landwirtschaft ist ein Modell, das zeigt, wie man mit einfachen Mitteln einen Beitrag leisten kann. Er baut Gemüse wie Tomaten, Gurken und Zucchini an, die nicht nur seine eigene Gemeinde versorgen, sondern auch an bedürftige Familien verteilt werden.
Glaube und Nachhaltigkeit: Ein ganzheitlicher Ansatz
Die Verbindung von Glaube und Landwirtschaft ist keine neue Idee. Schon in der frühen Kirche gab es Klöster, die Gärten und Felder bewirtschafteten. Diese Tradition lebt in der Arbeit von Bischof Rahmé weiter. Er zeigt, dass Nachhaltigkeit und christliche Werte Hand in Hand gehen können.
Was können wir von diesem Beispiel lernen?
Die Geschichte des Bischofs lädt uns ein, über unseren eigenen Glauben nachzudenken. Wie können wir unsere Talente und Ressourcen nutzen, um anderen zu dienen? Vielleicht sind wir nicht in der Lage, einen ganzen Garten zu bewirtschaften, aber wir können andere Formen der Hilfe finden. Das könnte die Unterstützung einer lokalen Tafel sein oder das Teilen von Lebensmitteln mit Nachbarn in Not.
Der Apostel Jakobus schreibt: „So ist auch der Glaube, wenn er nicht Werke hat, tot in sich selbst“ (Jakobus 2,17, ELB). Bischof Rahmé macht deutlich, dass Glaube und Handeln zusammengehören. Seine Landwirtschaft ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug, um Gottes Liebe sichtbar zu machen.
Praktische Anwendung: Wie wir Hoffnung säen können
Am Ende dieses Artikels möchten wir Sie einladen, über Ihre eigene Situation nachzudenken. Vielleicht leben Sie nicht in einer Krisenregion, aber auch in Ihrem Umfeld gibt es Menschen, die Hilfe brauchen. Was können Sie tun, um ein Zeichen der Hoffnung zu setzen? Vielleicht ist es ein einfaches Gebet, eine Spende oder ein Besuch bei einem einsamen Menschen.
Lassen Sie uns von Bischof Rahmé lernen, dass der Glaube praktisch werden kann. Er sät nicht nur Gemüse, sondern auch Hoffnung. Möge Gott uns die Kraft geben, in unserem Alltag Same der Liebe zu säen.
„Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.“ (Epheser 2,10, Luther 2017)
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