In diesen Tagen richtet Papst León XIV. eine besondere Einladung an die Kardinäle der Weltkirche. Vom 26. bis 27. Juni 2025 werden sie in Rom zusammenkommen, um über zeitgemäße Wege der Glaubensverkündigung zu beraten. Dieser außerordentliche Austausch folgt auf Gespräche im Januar, bei denen bereits Fragen der synodalen Mitgestaltung und das wegweisende Schreiben „Evangelii gaudium“ von Papst Franziskus im Mittelpunkt standen. Nun möchte der Heilige Vater, wie aus seinem veröffentlichten Brief hervorgeht, bestimmte Themen noch konkreter vertiefen.
Die bleibende Aufgabe der Verkündigung
Die Weitergabe des christlichen Glaubens ist seit jeher Kernauftrag der Kirche. Sie gründet im Auftrag Jesu Christi selbst, der seinen Jüngern mitgab: „Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ (Matthäus 28,19-20, Luther 2017). Dieser Missionsbefehl bleibt unverändert gültig, auch wenn sich die Art und Weise, wie er erfüllt wird, den Zeiten und Kulturen anpassen muss.
In einer sich ständig wandelnden Welt stehen christliche Gemeinden vor der Herausforderung, die frohe Botschaft so zu kommunizieren, dass sie von den Menschen heute verstanden und angenommen werden kann. Es geht nicht darum, den Inhalt des Glaubens zu verändern, sondern darum, eine Sprache und Form zu finden, die Herzen und Verstand der Zeitgenossen erreicht. Papst León XIV. scheint genau diesen Dialog fördern zu wollen: Wie kann die Kirche heute authentisch und überzeugend von Jesus Christus Zeugnis geben?
Synodalität als Weg der Unterscheidung
Der bevorstehende Austausch in Rom steht in der Tradition des synodalen Weges, den die Kirche in jüngerer Zeit verstärkt beschreitet. Synodalität meint das gemeinsame Hören auf den Heiligen Geist und das gemeinsame Unterwegssein des ganzen Gottesvolkes. Sie ist keine demokratische Abstimmung, sondern ein geistlicher Prozess der Unterscheidung. Der Apostel Paulus ermahnt die Gemeinde in Ephesus: „Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Epheser 4,32, Luther 2017). Diese Haltung der gegenseitigen Achtung und des aufmerksamen Zuhörens ist Grundlage jedes fruchtbaren kirchlichen Dialogs.
Die Beratungen der Kardinäle können somit als ein Moment dieses größeren synodalen Prozesses verstanden werden. Es geht darum, als Hirten gemeinsam zu überlegen, wie die pastoralen Herausforderungen unserer Zeit im Licht des Evangeliums beantwortet werden können. Solche Gespräche auf höchster Ebene können wichtige Impulse für das gemeindliche Leben vor Ort setzen, denn letztlich geschieht Glaubensverkündigung immer im konkreten Miteinander der Gläubigen.
Praktische Dimensionen der Glaubensweitergabe
Die Einladung des Papstes lädt dazu ein, über konkrete Formen der Evangelisierung nachzudenken. Dabei dürften mehrere Ebenen eine Rolle spielen:
- Die persönliche Bezeugung: Am Anfang steht oft das persönliche Glaubenszeugnis. Die Apostelgeschichte berichtet, wie die ersten Christen „täglich im Tempel und hier und dort in den Häusern lehrten und predigten das Evangelium von Jesus Christus.“ (Apostelgeschichte 5,42, Luther 2017). Die persönliche, von Herzen kommende Weitergabe der eigenen Gotteserfahrung bleibt unersetzlich.
- Die Gemeinschaft als Zeichen: Die liebevolle Gemeinschaft der Gläubigen selbst ist ein mächtiges Zeugnis. Jesus sagt: „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“ (Johannes 13,35, ELB). Eine einladende, unterstützende und lebendige Gemeinde zieht Menschen an.
- Der Dienst an der Welt: Die Sorge für die Armen, den Einsatz für Gerechtigkeit und der Schutz der Schöpfung sind integrale Bestandteile der Verkündigung. Der Glaube muss in der Tat sichtbar werden.
- Die Nutzung zeitgemäßer Mittel: Die digitale Welt eröffnet neue Räume für Begegnung und Information. Eine weise und kreative Nutzung dieser Mittel kann helfen, Brücken zu bauen.
„Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße der Freudenboten, die da Frieden verkündigen, Gutes predigen, Heil verkündigen.“ (Jesaja 52,7, Luther 2017)
Dieser prophetische Ruf beschreibt die Schönheit und Dringlichkeit der Aufgabe, die frohe Botschaft weiterzutragen. Es ist ein Dienst des Friedens und des Heils.
Ein geistliches Fundament
Alle Überlegungen zu Methoden und Strategien bleiben leer, wenn sie nicht aus einer tiefen Gottesbeziehung und einem Leben aus dem Glauben gespeist sind. Die Verkündiger selbst müssen zunächst Hörer des Wortes sein. Der Psalmist betet: „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege.“ (Psalm 119,105, Luther 2017). Das regelmäßige Hören und Meditieren der Heiligen Schrift, das Gebet und die Teilnahme am sakramentalen Leben der Kirche sind die unverzichtbaren Quellen, aus denen Kraft und Authentizität für die Weitergabe des Glaubens fließen.
Eine Einladung an alle Gläubigen
Die anstehenden Gespräche in Rom sind zwar ein Treffen von Kardinälen, doch das Thema betrifft die gesamte Kirche. Jeder Getaufte ist durch die Taufe und Firmung in die Sendung Christi hineingenommen. Das Zweite Vatikanische Konzil hat dies mit dem Begriff des „allgemeinen Priestertums der Gläubigen“ stark gemacht. Daher kann die Ankündigung dieser Versammlung für jede christliche Gemeinde und jeden Einzelnen ein Anstoß sein, über den eigenen Beitrag zur Glaubensweitergabe nachzudenken.
Mögliche Fragen für die persönliche und gemeindliche Reflexion könnten sein:
- Wie erlebe ich meinen Glauben als frohe und befreiende Botschaft?
- Wem könnte ich heute durch ein Wort der Ermutigung oder eine Tat der Nächstenliebe von dieser Freude Zeugnis geben?
- Ist unsere Gemeinde ein einladender Ort für Suchende und Fragende?
- Welche Gaben und Fähigkeiten hat der Heilige Geist unserer Gemeinde geschenkt, um die Menschen von heute zu erreichen?
Abschließende Betrachtung
Der Wechsel im Petrusamt von Papst Franziskus zu Papst León XIV. im Mai 2025 markiert einen neuen Abschnitt in der Reise der Kirche. Jeder Papst bringt seine eigenen Akzente und pastoralen Schwerpunkte ein. Die kontinuierliche Beschäftigung mit der Frage, wie der Glaube in einer säkularisierten und pluralen Welt lebendig bezeugt werden kann, zeigt jedoch, dass es sich um eine bleibende und zentrale Aufgabe handelt. Sie verbindet die Ära von „Evangelii gaudium“ mit den nun beginnenden Überlegungen unter der Führung von Papst León XIV.
Mögen die Beratungen in Rom vom Geist der Weisheit und der Einheit erfüllt sein. Mögen sie konkrete Früchte tragen, die den Gemeinden vor Ort helfen, ihre Sendung mit neuem Schwung und neuen Ideen zu erfüllen. Und möge jeder von uns in seinem eigenen Umfeld mutig und freudig von der Hoffnung Zeugnis geben, die uns erfüllt – denn, wie der Apostel Petrus schreibt: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“ (1. Petrus 3,15, Luther 2017).
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