Am Mittwoch wurde der langjährige Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, mit einem feierlichen Staatsakt verabschiedet. Die Zeremonie vereinte Elemente, die selten in einem solchen Rahmen zu finden sind: ein Ballett, Musik von Frank Sinatra und das bekannte Kirchenlied „Nun danket alle Gott“. Dieser Mix spiegelt die Persönlichkeit Kretschmanns wider, der als überzeugter Katholik seinen Glauben stets als Grundlage seines politischen Handelns verstand.
Die Wahl des Kirchenliedes ist besonders bemerkenswert. „Nun danket alle Gott“ ist ein Lied des Dankes und der Anerkennung für Gottes Führung – ein passender Abschluss für eine Amtszeit, die von vielen als segensreich empfunden wurde. Der Staatsakt fand im Stuttgarter Landtag statt und war von einer warmen, persönlichen Atmosphäre geprägt.
Ein Leben im Dienst: Kretschmanns politisches Erbe
Winfried Kretschmann war der erste grüne Ministerpräsident Deutschlands und zugleich der am längsten amtierende Regierungschef Baden-Württembergs. Seine Amtszeit begann am 12. Mai 2011 und dauerte bis zu seiner Verabschiedung im Jahr 2025 – insgesamt rund 14 Jahre. Damit übertrifft er sogar Erwin Teufel, der von 1991 bis 2005 regierte.
Kretschmanns Politik war geprägt von einem pragmatischen Umweltbewusstsein und einer sozialen Verantwortung, die er immer wieder aus seinem christlichen Glauben heraus begründete. In vielen Reden betonte er die Bedeutung von Nächstenliebe und Bewahrung der Schöpfung – Werte, die tief im christlichen Ethos verwurzelt sind.
„Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.“ (Epheser 2,10, Luther 2017)
Dieser Vers aus dem Epheserbrief könnte als Leitmotiv für Kretschmanns Wirken stehen. Er verstand seinen politischen Dienst als Berufung, als Gelegenheit, das Gemeinwohl zu fördern und Gottes Liebe in der Gesellschaft sichtbar zu machen.
Glaube und Politik: Eine Verbindung, die inspiriert
Kretschmanns Abschied wirft ein Licht auf die Frage, wie Glaube und Politik zusammengehen können. In einer zunehmend säkularisierten Welt ist es nicht selbstverständlich, dass ein Politiker öffentlich seinen Glauben bekennt. Doch Kretschmann tat dies stets mit natürlicher Selbstverständlichkeit.
Christliche Werte im politischen Alltag
Für Christen ist die Frage nach der Relevanz des Glaubens im öffentlichen Leben zentral. Die Bibel ruft uns dazu auf, Salz und Licht zu sein (Matthäus 5,13-16). Dies bedeutet nicht, dass wir unsere Überzeugungen anderen aufzwingen sollen, sondern dass wir in unserem Handeln – ob in der Politik oder im Alltag – die Liebe und Gerechtigkeit Gottes widerspiegeln.
Kretschmanns Beispiel zeigt, dass es möglich ist, als Christ Verantwortung zu übernehmen, ohne die Trennung von Kirche und Staat zu verletzen. Er respektierte die religiöse Neutralität des Staates, aber er verbarg seinen Glauben nicht. Diese Haltung kann für viele Christen ein Vorbild sein.
Abschied nehmen: Ein Moment der Reflexion
Der Staatsakt war nicht nur eine Würdigung von Kretschmanns politischer Arbeit, sondern auch eine Gelegenheit, über die Vergänglichkeit von Macht und die Beständigkeit von Gottes Treue nachzudenken. Die Bibel erinnert uns daran, dass alle irdische Herrschaft zeitlich ist, aber Gottes Reich ewig währt.
„Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde.“ (Prediger 3,1, Luther 2017)
Kretschmanns Abschied ist ein Beispiel dafür, wie ein Mensch seine Zeit nutzen kann, um Gutes zu tun. Für uns als Leser stellt sich die Frage: Wie nutzen wir unsere Zeit und unsere Gaben im Dienst für andere? Jeder von uns hat eine Berufung, ob in der Familie, im Beruf oder in der Gemeinde. Lasst uns diese Berufung mit Dankbarkeit und Hingabe leben.
Praktische Anwendung und Reflexion
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um über folgende Fragen nachzudenken:
- In welchen Bereichen meines Lebens kann ich meinen Glauben sichtbar machen, ohne aufdringlich zu sein?
- Wie kann ich Gottes Treue in meinem Alltag dankbar anerkennen, so wie es das Lied „Nun danket alle Gott“ ausdrückt?
- Welche „guten Werke“ hat Gott für mich vorbereitet, in denen ich heute wandeln soll?
Möge der Herr uns allen die Weisheit und den Mut schenken, unsere Berufung zu erkennen und treu zu erfüllen. Amen.
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