Im Rahmen einer Reise nach Ruanda im Mai dieses Jahres lernten wir eine bemerkenswerte Frau kennen: Christine Mwimama. Ihre Geschichte ist ein lebendiges Zeugnis dafür, wie eine christliche Gemeinschaft durch praktische Hilfe und geistliche Begleitung nachhaltige Veränderungen bewirken kann. Christine ist Teil eines Gemeindeprogramms der Pentecostal Church ADEPR in Gisagara, das unter dem Namen „Church and Community Transformation“ (CCT) bekannt ist. Dieses Programm begleitet Menschen über einen Zeitraum von drei Jahren dabei, eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen und gleichzeitig in ihrem Glauben zu wachsen.
Das CCT-Programm wurde zunächst über zwei Zyklen von der Organisation Tearfund finanziert. Inzwischen führt die Gemeinde das Programm eigenständig fort – ein eindrucksvoller Beleg für seine Nachhaltigkeit. Die Geschichte von Christine zeigt, wie tiefgreifend die Veränderungen sind, die durch dieses Engagement angestoßen werden.
Ein Leben in Armut und Scham
Christine ist 39 Jahre alt und Mutter einer Tochter, die sich auf dem Weg zur Ärztin befindet. Ihr Leben war lange von schweren Belastungen geprägt. Ihr Ehemann kämpfte mit einer schweren Alkoholabhängigkeit, ein Thema, über das Christine nur ungern spricht, da es mit großer Scham verbunden ist. Während er dem christlichen Glauben fernsteht, fand Christine in der Pfingstgemeinde einen Zugang zum Glauben. Heute ist sie dort aktiv engagiert: Sie singt im Gottesdienst und gehört einer Gebetsgruppe namens „Life“ an.
Bevor sie mit dem CCT-Programm in Kontakt kam, beschreibt Christine ihr Leben als von Armut, Hoffnungslosigkeit und Passivität bestimmt. Sie besaß kein eigenes Land und hatte kaum Möglichkeiten, zum Familieneinkommen beizutragen. Oft gab es nur eine Mahlzeit am Tag, manchmal auch gar nichts. Selbst die relativ geringe Gebühr für eine Krankenversicherung von etwa einem US-Dollar pro Person konnte die Familie nicht aufbringen.
Besonders schmerzhaft ist für Christine die Erinnerung an ihre erste Schwangerschaft mit Zwillingen: Weil sie sich keine medizinische Versorgung leisten konnte, starben beide Kinder kurz nach der Geburt. Noch heute leidet sie unter Schuldgefühlen. Rückblickend sagt sie, sie sei damals naiv gewesen und habe nur davon geträumt, dass sich ihr Leben verbessern würde, ohne selbst aktiv etwas zu unternehmen.
Die sozialen Kontakte waren stark eingeschränkt. Gäste einzuladen, war unmöglich, da sie nichts anbieten konnte. Selbst den Zehnten in der Kirche – für Christen in Ruanda eine Selbstverständlichkeit – war sie nicht in der Lage zu geben. Der Wendepunkt kam, als sie sich bekehrte und in ihrer Gemeinde von den Selbsthilfegruppen im Rahmen des CCT-Programms erfuhr.
Die Kraft der Gemeinschaft
Neugierig geworden, schloss Christine sich einer solchen Gruppe an. Sie begann, kleine Beträge zu sparen – anfangs umgerechnet etwa 25 Cent – und nahm schließlich ihren ersten Kredit auf, mit dem sie ein Schwein kaufte. Doch das Tier starb bald, was für sie ein schwerer Rückschlag war. Kurz darauf erkrankte sie selbst an einem Tumor am Bein. In dieser schweren Zeit erlebte sie die besondere Bedeutung der Gemeinschaft: Die Mitglieder ihrer Selbsthilfegruppe besuchten sie, ermutigten sie und unterstützten sie praktisch.
„Einer trage des anderen Lasten; so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.“ (Galater 6,2, Luther 2017)
Diese biblische Wahrheit wurde für Christine in der Gemeinschaft lebendig. Die Gruppe half ihr, den Mut nicht zu verlieren und weiterzumachen. Mit einem zweiten Kredit kaufte sie eine Ziege, die sich vermehrte. Aus dem Verkauf von Zicklein und später auch von Hühnern konnte sie nach und nach ein kleines Einkommen erzielen. Heute besitzt Christine mehrere Ziegen und Hühner und hat sogar ein Stück Land pachten können, auf dem sie Gemüse anbaut.
Vom Empfänger zum Geber
Was Christines Geschichte besonders berührend macht, ist die Entwicklung, die sie durchgemacht hat. Aus einer Frau, die selbst auf Hilfe angewiesen war, ist jemand geworden, der anderen hilft. Sie teilt ihr Wissen mit anderen Frauen in der Gemeinde und ermutigt sie, ebenfalls den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Ich habe gelernt, dass Gott uns nicht nur segnet, damit wir selbst versorgt sind, sondern damit wir ein Segen für andere sein können“, sagt Christine.
Ihre Tochter, die Medizin studiert, ist für sie eine große Motivation. Christine ist überzeugt, dass der Herr ihre Familie nicht nur materiell, sondern auch geistlich reich beschenkt hat. Die Gebetsgruppe „Life“ ist für sie zu einer geistlichen Heimat geworden, in der sie Kraft für den Alltag schöpft.
Was wir von Christine lernen können
Die Geschichte von Christine Mwimama erinnert uns an die transformative Kraft des Evangeliums, das nicht nur das Herz, sondern auch die Lebensumstände verändern kann. Sie zeigt, dass nachhaltige Hilfe nicht einfach aus Almosen besteht, sondern aus Befähigung. Das CCT-Programm setzt genau dort an: Es gibt Menschen nicht nur materielle Hilfe, sondern auch Werkzeuge an die Hand, um ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten.
Für uns als christliche Leserinnen und Leser wirft Christines Weg Fragen auf: Wie können wir in unserem eigenen Umfeld Menschen dazu befähigen, aus Armut und Hoffnungslosigkeit herauszufinden? Welche Gaben und Ressourcen hat Gott uns anvertraut, die wir teilen können? Die Bibel ermutigt uns, nicht nur mit Worten, sondern mit Taten zu lieben.
„Wenn aber jemand dieser Welt Güter hat und sieht seinen Bruder leiden und verschließt sein Herz vor ihm, wie bleibt die Liebe Gottes in ihm?“ (1. Johannes 3,17, Luther 2017)
Christine hat erfahren, dass Gott Treue belohnt und dass Gemeinschaft ein Ort der Heilung und des Wachstums sein kann. Ihr Leben ist ein Beispiel dafür, dass ein kleiner Kredit, gepaart mit Glauben und Gemeinschaft, tatsächlich ein neues Leben ermöglichen kann.
Praktische Anwendung und Reflexion
Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, um über folgende Fragen nachzudenken:
- In welchen Bereichen Ihres Lebens fühlen Sie sich hoffnungslos oder passiv? Was könnte der erste kleine Schritt sein, um aktiv zu werden?
- Wie können Sie in Ihrer Gemeinde oder Nachbarschaft Menschen unterstützen, die wirtschaftlich benachteiligt sind – nicht nur durch Almosen, sondern durch Befähigung?
- Welche geistlichen Gaben oder praktischen Fähigkeiten haben Sie, die Sie mit anderen teilen könnten?
Christines Geschichte endet nicht mit ihrem persönlichen Aufstieg. Sie ist Teil einer größeren Bewegung, in der Gemeinden weltweit entdecken, dass das Evangelium eine ganzheitliche Botschaft ist: Es rettet Seelen und verwandelt Lebensumstände. Möge ihr Zeugnis uns ermutigen, selbst zu Werkzeugen dieser Transformation zu werden.
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