Liebe Leserinnen und Leser, das Pfingstfest erinnert uns an ein Ereignis, das die christliche Kirche für immer verändert hat. In der Apostelgeschichte lesen wir, wie der Heilige Geist auf die Jünger herabkam und sie befähigte, in verschiedenen Sprachen zu sprechen. Dieses Wunder der Verständigung über alle Grenzen hinweg ist bis heute ein starkes Symbol für die Einheit der Christenheit. In vielen Gemeinden in Deutschland und auf der ganzen Welt wird Pfingsten daher als ein internationales Fest gefeiert, bei dem Menschen unterschiedlicher Herkunft und Sprache zusammenkommen, um ihren Glauben zu teilen.
Die Vielfalt der Sprachen und Traditionen, die an Pfingsten sichtbar wird, ist kein Hindernis, sondern eine Bereicherung. Sie zeigt, dass der Heilige Geist alle Menschen erreicht und verbindet. Wie es in der Bibel heißt: „Und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an, zu predigen in anderen Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen“ (Apostelgeschichte 2,4, Luther 2017). Diese Botschaft ist aktueller denn je in einer Zeit, in der die Welt immer enger zusammenwächst.
Internationale Pfingstgottesdienste in deutschen Städten
In vielen Städten Deutschlands haben sich ökumenische Initiativen gebildet, die an Pfingsten zu besonderen Gottesdiensten einladen. Diese Veranstaltungen sind ein lebendiges Zeugnis dafür, dass der christliche Glaube keine nationalen oder kulturellen Grenzen kennt.
Stuttgart: Ein Fest der weltweiten Kirche
In der Stuttgarter Stiftskirche versammeln sich jedes Jahr Gläubige aus der arabischen Welt, aus Eritrea, Griechenland, Mazedonien, Lettland, Kamerun, Ghana, Ungarn, Korea, Pakistan und Indonesien. Sie feiern gemeinsam das „Fest der weltweiten Kirche“. Ein Bibelvers wird in vielen Sprachen vorgetragen, darunter auch in Tigrina, der Sprache der eritreischen Gemeinde. Mehreteab Zeccarias, ein Ingenieur aus der eritreischen Gemeinde, freut sich besonders über die Lieder in den verschiedenen Sprachen: „Damals haben die Jünger durch den Heiligen Geist verschiedene Sprachen sprechen und verstehen können. Da passt es doch ganz gut, dass wir auch einen Gottesdienst in unterschiedlichen Sprachen feiern.“
Zur Stärkung bietet ein Team der arabisch-evangelischen Gemeinde syrische Speisen an. Heidi Josua, die Leiterin der Gemeinde, schätzt an diesem Treffen, „dass wir an Aspekte der anderen Kirchen erinnert werden, die wir selbst nicht haben oder nicht so betonen.“ So wird etwa die Tradition der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien sichtbar, die auch in Deutschland vertreten ist.
Berlin: Ökumenischer Open-Air-Gottesdienst
In Berlin-Schöneberg findet seit Jahrzehnten ein großer mehrsprachiger ökumenischer Open-Air-Gottesdienst vor dem Rathaus statt. Barbara Hustedt, Pfarrerin für Ökumene und Weltmission im Berliner Missionswerk, betont: „Das Pfingstgeschehen in der Bibel ist Anlass, mit allen christlichen Konfessionen nach draußen zu gehen und gemeinsam Pfingsten zu feiern. Dabei vereinen sich Sprachen und Traditionen zu einem großen Konzert, das von Gott erzählt.“
Frankfurt am Main: Freiluftgottesdienst auf dem Römerberg
Auch in Frankfurt am Main gibt es einen Freiluftgottesdienst auf dem Römerberg mit einem anschließenden internationalen Fest im Dominikanerkloster. Nina Reimas von der Evangelisch-lutherischen St. Paulsgemeinde erklärt: „Dies ist ein sichtbares Zeichen der weltweiten Kirchengemeinschaft, welches wir zu Pfingsten besonders feiern.“
Die Botschaft von Pfingsten für heute
Diese Beispiele zeigen, dass Pfingsten weit mehr ist als ein historisches Ereignis. Es ist eine Einladung, die Vielfalt der christlichen Gemeinschaft zu feiern und die Einheit im Glauben zu stärken. Der Heilige Geist wirkt auch heute noch und verbindet Menschen über alle Unterschiede hinweg. In einer Welt, die oft von Trennung und Missverständnissen geprägt ist, erinnert uns Pfingsten daran, dass Gottes Liebe alle Sprachen und Kulturen umfasst.
Ein praktischer Impuls für Sie: Vielleicht haben Sie die Möglichkeit, an einem internationalen Gottesdienst in Ihrer Nähe teilzunehmen. Oder Sie könnten in Ihrer Gemeinde einen besonderen Pfingstgottesdienst mitgestalten, der die kulturelle Vielfalt Ihrer Nachbarschaft widerspiegelt. Fragen Sie sich: Wie kann ich in meinem Umfeld dazu beitragen, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft sich im Glauben verbunden fühlen?
„Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“ (Galater 3,28, Luther 2017)
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